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Moose und Flechten auf Streuobstbäumen

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27.02.2026 | von Petra Doblmair

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Agrarlandschaften Europas. Ihre hohe ökologische Bedeutung beruht nicht allein auf der Vielfalt der Obstbäume, sondern auch auf dem komplexen Mikrolebensraum, der sich auf und um die Bäume entwickelt. Eine oft unterschätzte Komponente dieser Lebensgemeinschaften sind Moose und Flechten – meist unscheinbare, aber ökologisch äußerst wertvolle Organismen.

Moose_Flechten Obstbaum.jpg © LK OÖ / Doblmair
Moose Flechten Obstbaum © LK OÖ / Doblmair

Was sind Moose und Flechten?

Moose sind nicht-gefäßige Pflanzen, die keine echten Wurzeln, sondern Rhizoide besitzen. Sie wachsen in dichten Polstern oder flachen Matten und sind gut an feuchte und schattige Standorte angepasst. Flechten hingegen sind Symbiosen zwischen einem Pilz und einer Alge bzw. einem cyanobakteriellen Partner. Diese Lebensgemeinschaft ermöglicht es ihnen, auf nährstoffarmen Flächen und sogar direkt auf der Rinde von Bäumen zu leben. Beide Organismengruppen gelten als „Pionierlebensformen“ – sie besiedeln Lebensräume, die für viele andere Arten zunächst ungeeignet erscheinen.

In früheren Jahren wurde oft die Empfehlung ausgegeben, Moose und Flechten mit Drahtbürsten oder ähnlichem Werkzeug zu entfernen. Heute ist man sich der ökologischen Bedeutung für Streuobstwiesen bewusst, doch wozu dienen sie wirklich?

Lebensraum für Kleinlebewesen

Moose und Flechten schaffen auf Borken, Ästen und Stammhöhlen zusätzliche Mikrohabitate. Sie bieten Unterschlupf, Nahrungsressourcen und Feuchtplätze für zahlreiche:
• Insektenlarven (z. B. Käfer, Schmetterlinge)
• Spinnen und Springschwänze
• Mikro- und Kleingliederfüßer
Diese Kleintiere bilden die Basis vieler Nahrungsketten und sind wiederum Nahrung für Vögel, Fledermäuse und andere größere Arten.

Verbesserung des Mikroklimas

Flechten und Moose regulieren das Mikroklima auf der Baumrinde:
• Sie speichern Wasser und geben es langsam wieder ab → erhöhte Feuchtigkeit in Trockenphasen
• Sie mildern Temperaturschwankungen an der Oberfläche
• Die Bewuchsdecke kann Schadstrahlung reduzieren
Ein stabileres Mikroklima unterstützt sowohl die Gesundheit des Baumes als auch andere Epiphyten (z. B. Algen, Pilze) und wirbellose Tiere.

Indikatoren für Umweltqualität

Moose und Flechten reagieren sensibel auf Luftqualität und Feuchtigkeit:
• Einige Arten sind indikatoren für schadstoffarme Luft
• Bestimmte Flechtenarten zeigen hohe Stickstoffempfindlichkeit
Ihr Vorkommen liefert somit wertvolle Hinweise auf Standortbedingungen, Luftqualität und langfristige Entwicklungen im Ökosystem Streuobstwiese.

Förderung der Artenvielfalt

Moos- und Flechtenbestände sind eng verknüpft mit:
• Vogelvielfalt – z. B. Nistmaterial für Singvögel
• Pilz- und Mikrobenfauna – als Nahrungs- und Lebensraum
• Bestäuberinsekten – indirekte Förderung durch komplexere Nahrungsnetzwerke

Streuobstwiesen mit reichem epiphytischem (= auf einer Pflanze sitzendem) Bewuchs weisen tendenziell eine höhere Gesamtbiodiversität auf als stark „gepflegte“, blanke Stämme.

Beobachtung und Dokumentation

Regelmäßige Erfassung der epiphytischen Arten kann helfen:
• Veränderungen im Standort zu erkennen
• Effekte landwirtschaftlicher Maßnahmen zu dokumentieren
• Biodiversitätsziele nachweisbar zu machen
Einige Apps können rasch und unkompliziert darüber Aufschluss geben, welche Moose und Flechten sich auf den Obstbäumen befinden, z.B.:
iNaturalist: Eine Community für Naturfreunde · iNaturalist
ObsIdentify: ObsIdentify - Die Natur mit einem Klick bestimmen | Inatura Erlebnis Naturschau
Moose und Flechten sind keine „unwichtigen Beläge“ auf Obstbäumen, sondern Bausteine eines funktionierenden, artenreichen Ökosystems. Sie tragen zur Stabilisierung von Mikroklima, Nährstoffkreislauf und letztlich zur Gesamtbiodiversität auf Streuobstwiesen bei. Streuobstbäume werden auch im Bio Austria Biodiversitätsrechner berücksichtigt und mit entsprechenden Punkten honoriert. Daher ist es wichtig, auch hier die Anzahl der Streuobstbäume regelmäßig zu überprüfen und anzupassen.
Biodiversität - BIO AUSTRIA
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